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06.07.09 Ankunft und Ende

Posted by on Montag, 6 Juli, 2009

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Um 10: 30 fährt die Fähre aus Trelleborg ab und pünktlich um 18:30 bin ich in Travemünde angekommen. Beim letzten Wegabschnitt trifft sich meine Hin- mit der Rückfahrt. Wie auf jeder Reise kommt man irgendwann wieder am Ausgangspunkt an. Es ist aber nicht mehr dasselbe. Man blickt mit anderen Augen auf das schon Bekannte, denn jede intensive Reise verändert. Vielleicht reisen wir ja gerade deshalb, wegen der Erfahrungen, Erlebnisse, immer auf der Suche etwas anderes zu entdecken.

Ich habe gerade noch ein sehr schönes Zitat bekommen, mit dem ich diesen Teil des Blogs abschließen möchte. Danke Bernd.

Hier noch was von Kurt Tucholsky: Es gibt keinen Neuschnee. Wenn du aufwärts gehst und dich hochaufatmend umsiehst, was du doch für ein Kerl bist, der solche Höhen erklimmen kann, du, ganz allein, dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen. Glaube an Gott. Verzweifle an ihm. Verwirf alle Philosophie. Laß dir vom Arzt einen Magenkrebs ansagen und wisse: es sind nur noch vier Jahre, und dann ist es aus. Glaub an eine Frau. Verzweifle an ihr. Führe ein Leben mit zwei Frauen. Stürze dich in die Welt. Zieh dich von ihr zurück …Und alle diese Lebensgefühle hat schon einer vor dir gehabt; so hat schon einer geglaubt, gezweifelt, gelacht, geweint und sich nachdenklich in der Nase gebohrt, genau so. Es ist immer schon einer dagewesen.Das ändert nichts, ich weiß. Du erlebst es ja zum ersten Mal. Für dich ist es Neuschnee, der da liegt. Es ist aber keiner, und diese Entdeckung ist zuerst sehr schmerzlich. In Polen lebte einmal ein armer Jude, der hatte kein Geld, zu studieren, aber die Mathematik brannte ihm im Gehirn. Er las, was er bekommen konnte, die paar spärlichen Bücher, und er studierte und dachte, dachte für sich weiter. Und erfand eines Tages etwas, er entdeckte es, ein ganz neues System, und er fühlte: ich habe etwas gefunden. Und als er seine kleine Stadt verließ und in die Welt hinauskam, da sah er neue Bücher, und das, was er für sich entdeckt hatte, das gab es bereits: es war die Differentialrechnung. Und da starb er. Die Leute sagen: an der Schwindsucht. Aber er ist nicht an der Schwindsucht gestorben. Am merkwürdigsten ist das in der Einsamkeit. Daß die Leute im Getümmel ihre Standard-Erlebnisse haben, das willst du ja gern glauben. Aber wenn man so allein ist wie du, wenn man so meditiert, so den Tod einkalkuliert, sich so zurückzieht und so versucht, nach vorn zu sehen : dann, sollte man meinen, wäre man auf Höhen, die noch keines Menschen Fuß je betreten hat. Und immer sind da Spuren, und immer ist einer dagewesen, und immer ist einer noch höher geklettert als du es je gekonnt hast, noch viel höher. Das darf dich nicht entmutigen. Klettere, steige, steige. Aber es gibt keine Spitze. Und es gibt keinen Neuschnee.

In diesem Sinn wünsche ich allen Reisenden auf ihren Touren ein unbeschwertes Genießen, frei von allen Bindungen und Hintergedanken, genießt den Moment, jeden Moment.

Ausrüstung des Tages:

Mein Bootswagen ein Prijon Small Travel. Ich kenne keinen besseren Kompromiss aus geringem Volumen und guten Rolleigenschaften. Natürlich sind die Räder zu klein, um im Sand vernünftig zu funktionieren. Aber sobald der Untergrund etwas fester ist, funktionieren die verhältnismäßig breiten Räder sehr gut. Auf den breiten, mit Evazote beklebten, Auflagen hält das Boot so gut, dass man es eigentlich noch nicht einmal fest binden muss. Ein echter Tip für Seekajakfahrer.

02.07. – 15. Tag – Stevens Klint nach Kopenhagen

Posted by on Freitag, 3 Juli, 2009

27 sm,  sonnig, heiß, 23-30°,  0-3 Bft

Yeah, I did it :-).

stefensklint-1866Den Vormittag paddel ich die beeindruckende Küste am Stevens Klint entlang; der Anblick der grün bewaldeten Kreidefelsen ist fantastisch und die Route jedem Kajaker zu empfehlen. Hin und zurück ist es eine gute Tagestour (ca 17km) von Roedvig.
Und nun mal wieder eine Querung: 16sm durch die Koege Bucht nach Kopenhagen. Bei der Hitze ist es teilweise eine Quälerei, aber die Ruhe und die Weite des Horizonts entschädigen für alles.
In Kopenhagen treffe ich 2 Kajaker und werde auf meine Frage nach einem Paddelverein (zum campieren) eingeladen, bei ihnen im Garten zu übernachten. Die 800m vom Wasser überwinden wir mit meinem genialen Bootswagen und haben dann einen sehr netten, leckeren und interessanten Abend.

Ausrüstung des Tages: Meine Wasserflasche und  meine Schirmmütze.
Ohne Sonnenschutz und Wasser sollte man auf dem Wasser nicht unterwegs sein. Besonders an heißen Tagen wie diesem ist hat man schneller als erwartet einen Sonnenstich oder ist dehydriert. Ein Mineralienzusatz für dein Trinkwasser ist durchaus sinnvoll. Für mich hat sich ein Produkt von Xenofit sehr bewährt.

Stevens Klint: Eine kleine Diashow show-pic

22.06. – 9. Tag – Von Fehmarn nach Kramtise, südöstl. Lolland, DK

Posted by on Freitag, 26 Juni, 2009

23,9 sm, sonnig und warm, Wind 2-4 Bft

Früh wache ich auf und packe meine Sachen zusammen; um 9 Uhr bin ich im Boot und
ein leichter Wind kommt mir aus Nord entgegen. So lange der nicht
stärker wird, soll etwas Welle von vorne recht sein. Am Vorabend habe
ich noch zwei Fehmaraner gefragt, wie hier wohl die Strömung sei. „2,5
Knoten aus West, locker“, war deren Meinung. Das lag aber wohl an der
Alkohol bedingten Schlagseite, die man vielen Motorbootfahrern nachsagt
und welche die beiden an dem Abend sicher hatten. Ich korrigiere meinen
Kurs also wieder und passe ihn der ganz leichten östlichen Strömung
an. Langsam nähere ich mich dem Fahrwasser. Drei Schiffe in Sicht von rechts,
zwei von links und dann auch noch so verteilt, dass ich nicht riskieren
kann, zwischen ihnen durch zu fahren. Besonders das Letzte von West
macht mir Sorgen. Es ist relativ langsam, aber wenn ich die anderen
abwarte wäre es schon zu nah. Also wird die Wartepause wohl etwas
länger. Ich kram meine Bananen raus und mache in der verhältnismäßig
ruhigen See ein paar Fotos. Als ich wieder nach links schaue, hat das
eine Schiff abgedreht. Es fährt eindeutig raus aus der offiziellen
Fahrlinie Richtung Süden. Ich kann mir das nicht anders erklären, als
dass mich der Kapitän gesehen und Verständnis für meine Lage hat.
Ausschweifend winkend bedanke ich mich, vielleicht sieht es ja jemand.
Meine Probleme sind vorerst gelöst. Locker fahre ich los und quere
nach dem vorderen Schiff aus Osten, dann noch eine kurze Pause und nun ist der
Weg frei. Also volle Fahrt nach Dänemark.

Auch wenn ich nun einen deutlich westlicheren Kurs nehmen könnte, um
heute noch mehr Kilometer zu machen, bleibe ich bei meiner
Entscheidung, zunächst den Hafen in Kramitse anzulaufen. Der steht
nun so lange auf meiner Tourenliste, dass ich ihn auch mal life
gesehen haben möchte. Er stellt sich zwar nicht als absolute Schönheit
heraus, hat aber doch seinen Charme. Alte teilweise übel aussehende
Fischerboote liegen am kleinen Pier. Das Sperrwerk zeigt die
Höchstwasserstände der letzten 150 Jahre an. 1856 war das Wasser ca.
3,5 m über dem jetztigen Pegel, unglaublich.
Auf einer Picknikbank mache ich ein ausgiebiges Mittagessen und dann
geht’s weiter nach Westen. 23,9 Seemeilen zeigt mein GPS am Abend.
Nicht schlecht, ich bin zufrieden mit mir und vor allem mit meinem
Lagerplatz. Der Strand ist herrlich und ich gehe erst mal Baden.
Mit dem ausgedörrtem Strandholz dauert es scheinbar ewig, bis mein Essen fertig
ist, aber ich hab ja Zeit und genieße dies auch das erste Mal ganz
bewusst.
Abends höre ich noch den Seewetterbericht. Da kommt ganz schön Wind
auf, mal sehen wie es weiter geht.