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04.07. – 17. Tag – von Kopenhagen/Amager nach Höllviken, Schweden

Posted by on Samstag, 4 Juli, 2009

Der Öresund 22 sm,   6,5 Stunden,  sonnig,  28°, Wind 2 später 3-4 Bft

abreise-7040307Der Wind peitscht die Wellen auf und eine 1 m hohe Wasserwand kommt seitlich auf mein Kajak zu – und über mich hinweg. Ich schüttele das salzige Wasser ab und weiter geht´s. Ein feuchtes Vergnügen hab ich mir da ausgesucht.Der Nachmittag mit der Querung über den Öresund nach Höllviken ist doch viel windiger als gedacht und Land werde ich erst in ca 1 Std. erreichen. Die Furcht, welche früher bei solchen Verhältnissen da war, fast völlig weg. Inzwischen bin ich so vertraut mit meinem Boot und der See, dass ich meistens nur Spaß habe. Der nun vorherrschende Südwest-Wind spendiert mir zum Abschluss noch 1-Meter Wellen zum Surfen: 7kn zeigt das Gps – cool! Jetzt sitze ich an einem langen breiten Sandstrand, genieße mein erstes Bier in Schweden und lass den gestrigen u heutigen Tag Revue pasieren.
Nachdem wir gestern mehrere Stunden Grönlandrolling geübt haben, gab es reichlich Wurst, Fleisch u Bier. Die Jungs und Mädels vom Kajaklub sind wirklich klasse. Anschließend habe ich auf der Dachterrasse übernachtet.Von dort kann man bis nach Schweden sehen und hat einen herrlichen Blick über den ganzen Ostbereich von Amager, der Insel neben Kopenhagen. Morgens gab´s Kaffee und noch einen neuen Luckendeckel. Das Original von Valley, perfekt. Der Alte war inzwischen so spröde geworden, dass ich immer etwas Wasser im hinteren Schott hatte. Nach längeren Verabschiedungen ging es dann zur Querung des Öresunds. Bei 2er Wind war es eine angenehme Paddelei und ein erhebendes Gefühl, unter der gigantischen Öresundbrücke hindurch zu fahren. Sicher ein weiteres Highlight dieser Tour. Noch auf Dänischer Seite haben mich wieder ein paar Seehunde beobachtet. Wahnsinn, wie neugierig die sind. Immer wieder tauchen sie in ca 20 m Entfernung auf und schauen zu mir rüber.
Nach einer kurzen Pause in Schweden ging es dann bei stärker werdendem Wind weiter Richtung Südküste, die ich nach einem echten Seekajaktag nun auch erreicht habe.Vor mir liegt nun wieder die Küste der Ostsee und ich freu mich auf morgen. Bei angesagten 3 Bft aus SW wird´s sicher ziemlich wellig, für Spaß ist also gesorgt.

abreise-7040282 Oeresund-7040285

Ausrüstung des Tages: Das Funkgerät Pacific von Alan.

Auf meiner Kajaktour von Hamburg nach Schweden quere ich viel offenes Gewässer. Es ist ein wunderbares Gefühl, nur den Horizont als Begrenzung zu haben, doch wenn etwas passiert muss man sich selbständig retten oder Hilfe holen können. Um im Notfall über Kanal 16 Schiffe erreichen zu können, habe ich ein Handfunkgerät an Deck.Zum Seenotfall kam es glücklicherweise nicht. Letztlich habe ich das Pacific benutzt um täglich einen zuverlässigen Seewetterbericht zu bekommen. Manche Schleusen sind auch nur per Funk zu erreichen. Die Frequenz wird auf Schildern bekannt gegeben. Auf dem Elbe – Lübekkanal hätte ich ohne eigenes Funkgerät lange auf das nächste Schiff warten müssen, dass dem Schleusenwärter Bescheid gibt.
Ein besonders nettes Erlebnis hatte ich am heutigen Tag: Bei dem ich das Funkgerät brauchte, war die Rettung eines aufgrund gelaufenen Segelbootes. Das Boot hing direkt unter der Öresundbrücke fest. Über Funk konnte ich mit dem Segler Kontakt aufnehmen. Es war mir zwar etwas unangenehm als kleiner Kajakfahrer Hilfe anzubieten, aber letztlich ist eine Hilfeleistung auf See selbstverständlich. Nach anfänglichem Zögern ließ der Holländer sich auf mein Angebot ein und wirft mir ein Tau zu. Dieses binde ich mir um die Hüfte und konnte so das Schiff tatsächlich frei ruckeln.
Ohne das Funkgerät hätten wir uns bei dem kräftigen Wind nur schwerlich verständigen können. Die Nutzung eines Funkgerätes kann in solchen Situationen Missverständnisse vermeiden, die sonst zu gefährlichen Situationen führen können. Nicht jeder Kajakfahrer wird die Gelegenheit haben, einen Segler frei zu schleppen aber oft ist eine Kommunikation hilfreich und sei es nur, um nach zu fragen, welchen Hafen der Skipper empfiehlt.

Für das Allan Pacific habe ich mich aus mehreren Gründen entschieden. Das Wichtigste war für mich, unterwegs auch die Energieversorgung sicherstellen zu können. Das Pacific arbeitet mit herkömmlichen Mignonzellen, ein nicht zu verkennender Vorteil, denn diese sind in jedem Hafen erhältlich und die Mignonakkus sind mit einem kleinen Solarladegerät aufladbar. Die Leistungsdaten entsprechen denen der meisten hochwertigen Geräte und die Bedienung ist sehr simpel und so auch mit kalten, klammen Händen gut durchführbar.

Das Gerät hat sich bei der Tour so gut bewährt, dass es auch zukünftig immer schnell erreichbar unter meinem Gepäcknetz stecken wird.
Noch ein Tipp zum Schluss: um das Pacific gegen zu starken Wellenschlag zu sichern habe ich es in einer wasserdichtern Klarsichttasche an Deck gehabt.

02.07. – 15. Tag – Stevens Klint nach Kopenhagen

Posted by on Freitag, 3 Juli, 2009

27 sm,  sonnig, heiß, 23-30°,  0-3 Bft

Yeah, I did it :-).

stefensklint-1866Den Vormittag paddel ich die beeindruckende Küste am Stevens Klint entlang; der Anblick der grün bewaldeten Kreidefelsen ist fantastisch und die Route jedem Kajaker zu empfehlen. Hin und zurück ist es eine gute Tagestour (ca 17km) von Roedvig.
Und nun mal wieder eine Querung: 16sm durch die Koege Bucht nach Kopenhagen. Bei der Hitze ist es teilweise eine Quälerei, aber die Ruhe und die Weite des Horizonts entschädigen für alles.
In Kopenhagen treffe ich 2 Kajaker und werde auf meine Frage nach einem Paddelverein (zum campieren) eingeladen, bei ihnen im Garten zu übernachten. Die 800m vom Wasser überwinden wir mit meinem genialen Bootswagen und haben dann einen sehr netten, leckeren und interessanten Abend.

Ausrüstung des Tages: Meine Wasserflasche und  meine Schirmmütze.
Ohne Sonnenschutz und Wasser sollte man auf dem Wasser nicht unterwegs sein. Besonders an heißen Tagen wie diesem ist hat man schneller als erwartet einen Sonnenstich oder ist dehydriert. Ein Mineralienzusatz für dein Trinkwasser ist durchaus sinnvoll. Für mich hat sich ein Produkt von Xenofit sehr bewährt.

Stevens Klint: Eine kleine Diashow show-pic

01.07. – 14. Tag – Von Faroe zum Stevens Klint

Posted by on Mittwoch, 1 Juli, 2009

26,7 sm,  6 Std. 45 Min.,   sonnig,  kaum Wind

Ja Ihr lest richtig, jetzt kann ich Schweden schon fast sehen. Aber alles der Reihe nach.

Die letzte Nacht war dann leider nicht so angenehm wie der Abend begonnen hatte. Das ganze blutdürstige Viehzeug hat mich reichlich zerstochen und später war die Autobahn auch nicht mehr so ruhig. Etwas zerknautscht hab ich mich heute dann gegen 9 Uhr auf den Weg gemacht. „Mal sehen, ob ich Roedvig erreiche“, denk ich mir und paddel mal einfach so los. Über Nacht hat sich die Strömung glücklicherweise umgekehrt. Das Wasser, das durch den Ostwind in die Stege Bugt reingedrückt wurde fließt jetzt mit ca. 1kn wieder raus. Nett, so mach ich gut Strecke und kann die zauberhafte Gegend voll genießen. Zu beiden Seiten, links Seeland, rechts erst Falster, Bogoe, dann Moen, ist es malerisch grün. Teilweise stehen nette Häuser in Wassernähe. Zwischendrin ein paar Inseln, die genauso bewaldet sind wie das „Festland“ und die südlichen Inseln. Schließlich fahre ich unter der letzten der drei Brücken, welche Moen mit Seeland verbinden durch und bin endlich wieder auf offener See. So schön wie Flüsse sind, sie engen ein. Oceans are free, wie auf einem T-Shirt von mir steht. Ich steuere direkt Nyord an. Ein kleiner Hafen auf einer kleinen Insel. Eigentlich wollte ich nur Wasser holen, aber die Insel ist zu schön, um einfach weiter zu fahren. Also tu ich mal was für meine Beine und mache einen kleinen Spaziergang über die Insel. Entsprechend ihrer Größe ist dieser allerdings nicht sehr lang. Als ich zurück komme stehen wieder Leute bei meinem Boot, inzwischen ist das schon Routine. Wenn mal keiner mit Euch spricht, legt einfach ein Kajak in einen Hafen. Wie nahezu immer ergibt sich ein nettes Gespräch und ich bekomme die aktuellen Wetterinfos. Bis Samstag soll es so bleiben, dann ändert sich das Wetter und der Wind dreht auf West. Da jeder Wetterbericht anders ist geb ich nicht allzu viel drauf sondern such mir das Beste raus. Noch mal kurz zu den Gesprächen, was mir immer wieder in Scandinavien auffällt und woran man auch fast jeden Deutschen hier erkennen kann, ist das statusunabhängige Interesse aneinander. Wie mir eine Frau aus Kopenhagen auch sagte, es zählt nicht so sehr was du hast, sondern wer du bist und was du machst. Da geht der Lagerarbeiter ganz normal mit dem Bankdirektor Segeln. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man als Kajakfahrer von Motorbootfahrern und Seglern ignoriert wird, grüßt hier jeder und im letzten Hafen hat ein Jachtbesitzer, und ich sag Euch das war eine Jacht, ganz verschämt gesagt: „Ich bin nur damit unterweg, das ist bequemer und wahrscheinlich trau ich mich das gar nicht“. Und ich sag Euch das hat der so gemeint. Ähnliches erlebe ich dauernd. Aber nun zurück zum Tagesablauf.
Es war ja Gewitter für heute angesagt und als ich vom Gespräch aufsah, waren die Wolken schon bedrohlich dunkel. Dunkel und von weit her hörte ich Donner. So ein Mist. Also mal wieder Abwettern. Nein, diesmal nicht. So weit hab ich es ja heut nicht. Es sind lediglich 15sm und das fern ab vom Land, denn zwischen Roedvig und Nyord liegt halt die Faksebucht. Wenn ich die ausfahre, hänge ich mindestens einen Tag dran. Also Augen zu und durch? Das wäre nicht sehr vernünftig und ich würde es niemanden empfehlen aber… Na ja, noch hab ich eine Chance, Bornholm zu erreichen und die möchte ich mir nicht vertun. Also drück ich die Daumen, dass sich das Gewitter an Land austobt, was eh viel wahrscheinlicher ist. Und es kam auch so. Bei Ententeich bin ich die 15sm in 4,5h gepaddelt und fühlte mich wie ein König als ich in den Jachthafen von Roedvig einlaufe. Leider ist hier keine Übernachtungsmöglichkeit für mich und daher muss ich leider direkt unterm Stevens Klint schlafen, wie schade . Das hier ist sicher mein exklusivster Lagerplatz. Es war zwar nicht einfach einen Landeplatz zu finden, aber jetzt steht mein Zelt direkt unter den Klippen und auch weit genug vom Wasser entfernt. Das Boot hab ich sicherheitshalber angeleint. Stevens Klint ist übrigens das Pendant zu den Kreidefelsen auf Rügen und Moen. Vor vielen tausend Jahren haben die mal zusammen gehört. Unter den Steinen findet man aber nicht nur Kalksandstein. Ich hab hier auch Granit gesehen, der vom nördlichen Ende der Ostsee, das wesentlich älter ist, hier her getrieben wurde. Es ist ein irres Konzert auf den Steinen zu gehen. Die meisten klingen dumpf. Kalksandstein halt aber manchmal wie das Klirren wie Glas oder sie klingen fast wie Glocken. Morgen werde ich dann diese Küste entlang fahren und fühle mich allein dadurch schon beschenkt. Mal sehen wie die Lust steht, vielleicht mach ich dann mal einen Abstecher nach Schweden. Näheres morgen .

22.06. – 9. Tag – Von Fehmarn nach Kramtise, südöstl. Lolland, DK

Posted by on Freitag, 26 Juni, 2009

23,9 sm, sonnig und warm, Wind 2-4 Bft

Früh wache ich auf und packe meine Sachen zusammen; um 9 Uhr bin ich im Boot und
ein leichter Wind kommt mir aus Nord entgegen. So lange der nicht
stärker wird, soll etwas Welle von vorne recht sein. Am Vorabend habe
ich noch zwei Fehmaraner gefragt, wie hier wohl die Strömung sei. „2,5
Knoten aus West, locker“, war deren Meinung. Das lag aber wohl an der
Alkohol bedingten Schlagseite, die man vielen Motorbootfahrern nachsagt
und welche die beiden an dem Abend sicher hatten. Ich korrigiere meinen
Kurs also wieder und passe ihn der ganz leichten östlichen Strömung
an. Langsam nähere ich mich dem Fahrwasser. Drei Schiffe in Sicht von rechts,
zwei von links und dann auch noch so verteilt, dass ich nicht riskieren
kann, zwischen ihnen durch zu fahren. Besonders das Letzte von West
macht mir Sorgen. Es ist relativ langsam, aber wenn ich die anderen
abwarte wäre es schon zu nah. Also wird die Wartepause wohl etwas
länger. Ich kram meine Bananen raus und mache in der verhältnismäßig
ruhigen See ein paar Fotos. Als ich wieder nach links schaue, hat das
eine Schiff abgedreht. Es fährt eindeutig raus aus der offiziellen
Fahrlinie Richtung Süden. Ich kann mir das nicht anders erklären, als
dass mich der Kapitän gesehen und Verständnis für meine Lage hat.
Ausschweifend winkend bedanke ich mich, vielleicht sieht es ja jemand.
Meine Probleme sind vorerst gelöst. Locker fahre ich los und quere
nach dem vorderen Schiff aus Osten, dann noch eine kurze Pause und nun ist der
Weg frei. Also volle Fahrt nach Dänemark.

Auch wenn ich nun einen deutlich westlicheren Kurs nehmen könnte, um
heute noch mehr Kilometer zu machen, bleibe ich bei meiner
Entscheidung, zunächst den Hafen in Kramitse anzulaufen. Der steht
nun so lange auf meiner Tourenliste, dass ich ihn auch mal life
gesehen haben möchte. Er stellt sich zwar nicht als absolute Schönheit
heraus, hat aber doch seinen Charme. Alte teilweise übel aussehende
Fischerboote liegen am kleinen Pier. Das Sperrwerk zeigt die
Höchstwasserstände der letzten 150 Jahre an. 1856 war das Wasser ca.
3,5 m über dem jetztigen Pegel, unglaublich.
Auf einer Picknikbank mache ich ein ausgiebiges Mittagessen und dann
geht’s weiter nach Westen. 23,9 Seemeilen zeigt mein GPS am Abend.
Nicht schlecht, ich bin zufrieden mit mir und vor allem mit meinem
Lagerplatz. Der Strand ist herrlich und ich gehe erst mal Baden.
Mit dem ausgedörrtem Strandholz dauert es scheinbar ewig, bis mein Essen fertig
ist, aber ich hab ja Zeit und genieße dies auch das erste Mal ganz
bewusst.
Abends höre ich noch den Seewetterbericht. Da kommt ganz schön Wind
auf, mal sehen wie es weiter geht.