Posts Tagged Kajak

Sicherer Wiedereinstieg durch Reentry and Roll mit einen Paddelfloat

Posted by on Dienstag, 9 Juni, 2009

Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen, wenn du auf offenen Gewässern unterwegs bist. Daher sollte man eigentlich immer in einer Gruppe fahren. Wenn man aber alleine auf offenen Gewässern unterwegs ist, solltest du, nach einer Kenterung, auch alleine wieder in dein Kajak kommen. Am besten ist natürlich gar nicht erste auszusteigen, sondern einfach hoch zu rollen. Aber was ist, wenn die Rolle mal nicht klappt, weil du erschöpft oder unkonzentriert bist? Einfach ertrinken ist unhöflich, denn Beerdigungen kosten schließlich eine Menge Geld. Es muss also eine verlässliche Wiedereinstiegsmöglichkeit vorhanden sein.

Viele dieser Methoden versagen leider bei stärkerem Seegang oder wenn du erschöpft und unkonzentrierter bist. Darum stell ich hier meine Lieblingsmethode vor. Sie funktioniert sehr simpel und schnell und das auch bei stärkerem Seegang.

Reentry and Roll bezeichnet eigentlich eine Methode, bei der man unter Wasser in das gekenterte Boot einsteigt und dann hoch rollt. Hier stelle ich die Variante mit einen Paddelflloat vor. Dies Floats gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, manche dienen sogar als Decktasche. Ich benutze die mittlere Größe von Zölzer, da es simpel, klein und robust ist. Das Float ist übrigens auch prima geeignet, um sich, bei einer längeren Angel-, Futter- oder Pinkelpause einen Ausleger zu bauen.

Üb den Ablauf doch mal. Es ist wirklich faszinierend, wie einfach es ist.

  • Als erstes musst du Kentern. Also ab ins Wasser, Spritzdecke lösen und nach hinten aussteigen.
  • Halte unbedingt ständigen Kontakt zum Boot. Am besten benutzt du eine Lifeline. Diese verbindet dich mit dem Boot. Ich führe meine Paddelleine immer  noch durch die Spritzdecke. Dadurch können weder Paddel noch Boot abhauen. Die Sicherungsleine muss dazu ziemlich lang sein. Mich hat das aber noch nie gestört.
  • Hole das griffbereite Paddelfloat hervor. Mein Float ist immer vorne unter einem fest sitzenden Gepäcknetz.
  • Spätestens jetzt drehst du das Boot quer zur Hauptwellenrichtung. Du befindest dich auf der abgewandten Seite. Wenn die Wellen so hoch und spitz sind, dass sie das Kajak zum Überschlagen bringen können, richte es mit dem Bug in Wellenrichtung aus.
  • Nun kannst du schon mal die Beine in die Luke stecken. Du wirst so vom Boot getragen und kannst beide Hände benutzen.
  • Steck das Float auf das Paddelblatt und puste es auf.
  • Das Paddel wird nun quer auf den Rumpf gelegt. Der so entstandene Ausleger sollte möglichst lang sein.
  • Jetzt tauchst du ganz unters Boot und drehst dich dabei in den Sitz. Finde einen guten Bootskontakt und..
  • drück einfach fest auf den Paddelschaft. Durch die Wölbung des Rumpfes wirst du automatisch aufgerichtet. Wie gut das funktioniert hängt natürlich von der Rumpfform ab. Bei Knickspantern funktioniert es am schlechtesten. Bei Rundspantern am besten.
  • Anschließend kannst du dein Paddel weiter als Ausleger benutzen, um das Boot beim Schließen der Spritzdecke und dem Lenzen zu stabilisieren.

In dem Video Reentry and Roll siehst du  den kompletten Ablauf. Viel Spaß beim Üben.

Elbe am Sonntag

Posted by on Donnerstag, 30 April, 2009

26.04.09 Sonntag Temperatur 20 / 26°C; etmal: 17,5sm = 32,375 km; Wind 1-3 Bft

elbetoure-april-sat
Die Situation kennt wohl jeder; es ist Sonntag, der Wecker klingelt, er bekommt einen auf den Kopf und man schläft gemütlich weiter. Dafür, dass man zu dusselig war ihn auszuschalten, kann man sich ja später noch rügen. An diesem Sonntag musste ich aber aufstehen. „Nein, du wolltest“. Verbessert mich meine Freundin und sie hat recht, denn wir haben noch einiges vor.

Gegen 9 Uhr sind wir im Verein, packen das Picknick in die Boote hinein und steigen ein.
An so einem Tag fällt selbst das Reimen leicht. So gefällt mir das Aprilwetter, wenn ich auch den Gedanken daran verdränge, dass dies auch Auswirkungen einer Klimaveränderung sind. Wir profitieren davon, in anderen Gegenden sterben Menschen durch Unwetter. Aber das ist ein anderes Thema, für das später vielleicht mal Zeit ist.

elbe_7046Noch ist es fast windstill, die Segler können sich mit ihrem Frühstücken Zeit lassen, und so ist nur ein Schleppverband aus einem kleinen Kutter und einem schönen Holzsegler auf der Außenalster. Die Wellen des Motorbootes bringen uns zunächst nur zum Schaukeln, doch da wir im spitzen Winkel aufeinander zu fahren bin ich schließlich direkt neben dem Verdränger, kurz hinter einer recht ordentlichen Heckwelle. Auch wenn es Ärger gibt, kann ich mir so etwas nicht entgehen lassen. Mit zwei kräftigen Paddelschlägen bin ich drauf und surfte ca. 1m neben dem Schleppverband. Der Ärger bleibt allerdings aus, stattdessen dreht sich der Bootsführer lächelnd um.  „Jo, das ham wir früher auch immer gemacht. Ran an die Segler und dann so lang mitsurfen wie es geht“. „Na dann gib doch ruhig noch Gas“, ist meine Antwort, der er grinsend Folge leistet. Leider hatten wir doch nicht den gleichen Weg, so dass ich bald wieder zum herkömmlichen Paddeln übergehen muss. Das war aber schon mal ein viel versprechender Anfang.

elbe_7074 elbe_7075

Die Rathausschleuse wartet schon mit grünen Leuchten auf uns und so sind wir schon 20 Minuten später auf der Elbe.
Im Zollkanal fliehen die Barkassen vor dem ablaufenden Wasser und sorgen für heftige Kreuzwellen. Caro wird ziemlich übel durchgeschüttelt und gesteht mir nachher, dass ihre Beine schon etwas weich geworden sind. Das ist ja auch wirklich keine Situation in der man kentern möchte.
Nach dieser anfänglichen Aufregung ist der Zollkanal leer und ruhig. Von dem gegen uns laufenden Wasser merken wir wenig. Mit höchstens 1,5 Knoten fliesst das Wasser in dem Seitenarm der Norderelbe.

Wir paddeln gemütlich durch ein ganz anderes Hamburg. Mit den aus Pfählen wachsenden Büschen, Bäume, die aus der Wand kommen hat die Uferbefestigung einen sehr rustikalen Charme. Einsamkeit und Verfall prägen, besonders zum Ende des Kanals, die Stimmung.

1888 wurde der Kanal gebaut, um Schiffern den Weg durch den Zoll zu ersparen. Gerade für die Kleinschifffahrt in Hamburg war es wichtig, ohne Zollformalitäten, den neu gegründeten Freihafen umfahren zu können. Damals war der Kanal auch bei Niedrigwasser noch für größere Schiffe zu befahren. Jetzt fällt er an vielen Stellen soweit trocken, dass nur eine schmale Fahrrinne übrig bleibt. Für ein Kajak reicht es alle mal, worüber wir sehr froh sind, denn in diesem braunen Matsch wollen wir lieber nicht aussteigen.

elbe_7118Kurz vor der Brandshöfer – Schleuse schauen wir auf halb verfallene  Fabrikanlagen und, die endzeitliche Stimmung nur noch verstärkend, eine Frau, die sich dort  im Bikini sonnt. Diese surreale Szenerie muss ich natürlich fest halten, das Modell konnte ich leider nicht um Erlaubnis fragen. Ich spendiere ihr, als Gage, aber gerne eine Kajakfahrt durch Hamburg :-).

Kurz vor den Elbbrücken, die den (in Bezug auf die Strömungsrichtung der Elbe) Anfang des Hamburger Hafens markieren, treffen wir auf die Norderelbe. Nun spüren wir die Strömung deutlich. Heute ist Neumond und somit  zieht der Himmelskörper schon ziemlich kräftig am Wasser. In drei  Tagen  ist Springtide, der Zeitpunkt  zu dem die größte Wasserbewegung statt findet. Trägheit ist ja eine ganz natürliche Eigenschaft, die uns momentan völlig fremd ist. Kräftig paddeln wir gegen die Strömung an, bis wir beschließen, doch  lieber eine Pause bei der Strandperle zu machen anstatt uns hier für wenige Kilometer die Stunde zu verausgaben. Hauptsächlich hat uns eh der Kanal interessiert, zur Süderelbe können wir auch ein anderes Mal fahren. Also drehen wir um und lassen uns von der Strömung in den Hamburger Hafen treiben.

elbe_7146Gespenstisch liegen großen Tankschiffe in der Mitte des Fahrwassers. Hier ist noch kein Schiffsverkehr und so kommen uns die Wellen nur sanft entgegen, doch das sollte sich bald ändern.
Als die schon fast fertige Elbphilharmonie in Sicht kommt, sind auch schon die ersten Barkassen am Wasser aufwirbeln. Wir erwischen grad noch eine Lücke zwischen zwei Barkassen und fahren neben der Cap Sandiego Richtung Landungsbrücken. Auch hier ist reger Betrieb, so dass wir ein paar mal, im kabbelige Wasser, warten müssen.  Da die Barkassenfahrer leider immer noch einen Kleinkrieg gegen die Freizeitpaddler führen, ist die Situation, bei viel Verkehr, hier immer etwas angespannt und ich bin froh, als wir an den den Landungsbrücken vorbei sind.

Danach beginnt die wirkliche Kabbelwasser – Strecke. Die steilen Spundwände reflektieren die Wellen vom Schiffsverkehr und sorgen für ein lustiges Karussellfeeling und manchmal für kleine nette Surfs. Der beste Wellenritt des Tages wartet aber vor der Strandperle auf mich. Kurz hinter der Fahrwassertonne warte ich, bis zwei Barkassen sich begegnen. Ihre Wellen vereinigen sich und spülen mich Richtung Strand, an dem ich johlend ankomme.

elbe_7180Bevor wir zurück fahren gönnen wir uns eine lange Pause, inkl. Mittagsschlaf :-).

Nach einer schönen Rückfahrt sind wir gegen 18 Uhr wieder im Verein.
Ein Sonntagsausflug nach unserem Geschmack. Etwas Sport, viel Natur, ein bisschen Adrenalin und viel frische Luft.
Diese abwechslungsreiche Runde werde ich auf jeden Fall noch öfter Fahren, wahrscheinlich am Mittwoch.

Eine Diashow zur Tour findet Ihr hier!

Vorbereitung – Wetterprognose

Posted by on Mittwoch, 11 März, 2009

windstaerkeIn einem Kajak kann man sich, bei schlechtem Wetter, schon ganz schön verloren vorkommen. Am besten vermeidet das schlechte Wetter und bucht leichte Bewölkung und ein 1 bis 2 Bft (Beaufort Windstärke; ca. 1-11 km/h).

Bis wir uns das Wunschwetter bestellen können, dauert es glücklicherweise noch etwas, bis dahin können wir uns nur auf die Voraussagen verlassen um die Tour bestmöglich zu planen.

Welche Faktoren spielen für uns Seekajaker denn eine Rolle?

  • Wind: Vor allem der Wind beeinflusst unsere Drift und die Wellenhöhe. Stichworte sind Winddrift, Fetch (Windangriffsfläche, wichtig zur Abschätzung der Wellenstärke und Wellenrichtung)
  • Sicht: Ohne gute Sicht müssen wir rein nach Kompass fahren. Das ist mit den bescheidenen Mitteln auf einem Kajak nicht leicht und erfordert, vor allem bei großen Querungen, viel Erfahrung.
    Die Sicht kann durch Dunst und Nebel eingeschränkt werden.
    Read the rest of this entry »

Seekajakblog Infos

Posted by on Mittwoch, 11 März, 2009

Du findest auf dieser Seite einige Berichte, Fotos, Filme und Hilfestellungen zum Thema Seekajakfahren.

Du bist Paddler und interessierst dich für Paddel auf der Ostsee oder wohnst im Bereich der Lübecker Bucht? Dann melde dich gern. Ich freue mich immer über nette Paddelpartner.

Auch wenn du dein Können aufbauen oder neu entdecken möchtest, bist du hier richtig. Seit vorletztem Jahr biete ich auf Nachfrage Kurse und Schnuppertouren an. Melde dich einfach, wenn du Interesse hast.

Viel Spass auf der Seite und natürlich auf dem Wasser!

Dirk

P.S. Die meisten Artikel sind noch von meiner Tour nach Schweden. Ab sofort kommen aber immer wieder kleine und größere Berichte hinzu.

 

Intro

Posted by on Dienstag, 10 März, 2009

Von Hamburg nach Bornholm.

img_49531Am 13. Juni geht es los und momentan stecke ich schon voll in den Vorbereitungen. Mein Seekajak ist ein Icefloe von P&H, das ich gebraucht erstanden habe.

Im Moment bin ich bei den Vorbereitungen. Auf den Karten habe ich meine Tour schon geplant. Eine Karte hängt über meinem Schreibtisch und erinnert mich ständig an mein diesjähriges Ziel.

Jeden Tag beschäftige ich mich ein wenig mit der Tour. Ich sammele Wetterdaten, beschaffe mir Informationen über Lagerplätze, Schiffsverkehr und trainiere natürlich mit meinem Bötchen.

Mit jedem Tag wächst auch die Vorfreude auf vier Wochen mit meinem Boot, einem Zelt und der Welt allein.