01.07. – 14. Tag – Von Faroe zum Stevens Klint

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26,7 sm,  6 Std. 45 Min.,   sonnig,  kaum Wind

Ja Ihr lest richtig, jetzt kann ich Schweden schon fast sehen. Aber alles der Reihe nach.

Die letzte Nacht war dann leider nicht so angenehm wie der Abend begonnen hatte. Das ganze blutdürstige Viehzeug hat mich reichlich zerstochen und später war die Autobahn auch nicht mehr so ruhig. Etwas zerknautscht hab ich mich heute dann gegen 9 Uhr auf den Weg gemacht. „Mal sehen, ob ich Roedvig erreiche“, denk ich mir und paddel mal einfach so los. Über Nacht hat sich die Strömung glücklicherweise umgekehrt. Das Wasser, das durch den Ostwind in die Stege Bugt reingedrückt wurde fließt jetzt mit ca. 1kn wieder raus. Nett, so mach ich gut Strecke und kann die zauberhafte Gegend voll genießen. Zu beiden Seiten, links Seeland, rechts erst Falster, Bogoe, dann Moen, ist es malerisch grün. Teilweise stehen nette Häuser in Wassernähe. Zwischendrin ein paar Inseln, die genauso bewaldet sind wie das „Festland“ und die südlichen Inseln. Schließlich fahre ich unter der letzten der drei Brücken, welche Moen mit Seeland verbinden durch und bin endlich wieder auf offener See. So schön wie Flüsse sind, sie engen ein. Oceans are free, wie auf einem T-Shirt von mir steht. Ich steuere direkt Nyord an. Ein kleiner Hafen auf einer kleinen Insel. Eigentlich wollte ich nur Wasser holen, aber die Insel ist zu schön, um einfach weiter zu fahren. Also tu ich mal was für meine Beine und mache einen kleinen Spaziergang über die Insel. Entsprechend ihrer Größe ist dieser allerdings nicht sehr lang. Als ich zurück komme stehen wieder Leute bei meinem Boot, inzwischen ist das schon Routine. Wenn mal keiner mit Euch spricht, legt einfach ein Kajak in einen Hafen. Wie nahezu immer ergibt sich ein nettes Gespräch und ich bekomme die aktuellen Wetterinfos. Bis Samstag soll es so bleiben, dann ändert sich das Wetter und der Wind dreht auf West. Da jeder Wetterbericht anders ist geb ich nicht allzu viel drauf sondern such mir das Beste raus. Noch mal kurz zu den Gesprächen, was mir immer wieder in Scandinavien auffällt und woran man auch fast jeden Deutschen hier erkennen kann, ist das statusunabhängige Interesse aneinander. Wie mir eine Frau aus Kopenhagen auch sagte, es zählt nicht so sehr was du hast, sondern wer du bist und was du machst. Da geht der Lagerarbeiter ganz normal mit dem Bankdirektor Segeln. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man als Kajakfahrer von Motorbootfahrern und Seglern ignoriert wird, grüßt hier jeder und im letzten Hafen hat ein Jachtbesitzer, und ich sag Euch das war eine Jacht, ganz verschämt gesagt: „Ich bin nur damit unterweg, das ist bequemer und wahrscheinlich trau ich mich das gar nicht“. Und ich sag Euch das hat der so gemeint. Ähnliches erlebe ich dauernd. Aber nun zurück zum Tagesablauf.
Es war ja Gewitter für heute angesagt und als ich vom Gespräch aufsah, waren die Wolken schon bedrohlich dunkel. Dunkel und von weit her hörte ich Donner. So ein Mist. Also mal wieder Abwettern. Nein, diesmal nicht. So weit hab ich es ja heut nicht. Es sind lediglich 15sm und das fern ab vom Land, denn zwischen Roedvig und Nyord liegt halt die Faksebucht. Wenn ich die ausfahre, hänge ich mindestens einen Tag dran. Also Augen zu und durch? Das wäre nicht sehr vernünftig und ich würde es niemanden empfehlen aber… Na ja, noch hab ich eine Chance, Bornholm zu erreichen und die möchte ich mir nicht vertun. Also drück ich die Daumen, dass sich das Gewitter an Land austobt, was eh viel wahrscheinlicher ist. Und es kam auch so. Bei Ententeich bin ich die 15sm in 4,5h gepaddelt und fühlte mich wie ein König als ich in den Jachthafen von Roedvig einlaufe. Leider ist hier keine Übernachtungsmöglichkeit für mich und daher muss ich leider direkt unterm Stevens Klint schlafen, wie schade . Das hier ist sicher mein exklusivster Lagerplatz. Es war zwar nicht einfach einen Landeplatz zu finden, aber jetzt steht mein Zelt direkt unter den Klippen und auch weit genug vom Wasser entfernt. Das Boot hab ich sicherheitshalber angeleint. Stevens Klint ist übrigens das Pendant zu den Kreidefelsen auf Rügen und Moen. Vor vielen tausend Jahren haben die mal zusammen gehört. Unter den Steinen findet man aber nicht nur Kalksandstein. Ich hab hier auch Granit gesehen, der vom nördlichen Ende der Ostsee, das wesentlich älter ist, hier her getrieben wurde. Es ist ein irres Konzert auf den Steinen zu gehen. Die meisten klingen dumpf. Kalksandstein halt aber manchmal wie das Klirren wie Glas oder sie klingen fast wie Glocken. Morgen werde ich dann diese Küste entlang fahren und fühle mich allein dadurch schon beschenkt. Mal sehen wie die Lust steht, vielleicht mach ich dann mal einen Abstecher nach Schweden. Näheres morgen .

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